Sehr geehrte Damen und Herren!

Nach drei Jahren Arbeits- und Prekärbeschäftigungszeit erscheint am 6.
Februar 2004 die neue Ausgabe von monochrom (nur echt ohne
"Empire"-Rezension). Deshalb wird im Freiraum/MQ Wien ab 19 Uhr eine Soirée
stattfinden. Unter anderem mit einer Darbietung des "Turing Train Terminals".
Diese Mail ist empathisch mit Stolz und/oder finanzieller Überlastung
aufgeladen.

// monochrom #15-23
// Zweite Ordnung muss sein.
// 436 Seiten, 1300 Gramm, 15 Euro

Denn jedes geschlossene System ist entweder in sich widersprüchlich,
unvollständig oder unappetitlich.

// monochrom #15-23 / Inhaltlichkeiten:

Zitronenfalter und Bestechungen, Shigellen, Dübel und Blut, zur Ökonomie
des intellektuellen Besitzes, die Schönheit der impliziten Kaputtheit der
Selbstverständlichkeit, das linguistische Gegenstück zur Eva-Theorie, als
Schneider einmal richtig Angst hatte, Pernerstorfer über Schmeichler und
Parasiten im griechischen Theater, Rucksackpriester, voraus eilende
Phantasie, SMS-Notgeilheiten und andere Kommunikationsburlesken, Phoenix’
psychologischer Comic-Krieg in Vietnam, Forschungsstelle „selbstgestaltete
Namensanstecker“, das Star Trek-Universum (voller heldenhafter Menschen,
faschistischer Cardassianer und geldgieriger Ferengi), Foto Hienze, die
Geschwister Hofmann (Sprechblase A und B), Physik und Größe in biologischen
Systemen (und was das mit Kuchen und Gulliver zu tun hat),
Schnürsenkelaufbewahrungsorte, die Historie der Menstruation, Volkswagen
und Pink Floyd, Tullipans Seepferdchen, nötige Polemiken gegen bestimmte
Unzulänglichkeiten der Psychoanalyse, Meat Loaf und Des Moines, Rappaport
(der lustige Kontext), zum ästhetischen, politischen und soziokulturellen
Niedergang eines Milieus (und einer Essstörung), Jimi Hendix und die
Virtual Reality, die schönsten bewaffneten Auseinandersetzungen der USA,
der Akt des Sprechens an sich, das periodische Haiku-System der Elemente,
das kleine Wörterbuch nach Wencke Myhre, Links- und Rechtsverkehr im
geschichtlichen Abriss, typographische Mitschuld, besoffene Igel, zum
Staatsroman in der Weimarer Zeit, der Prolog zur Fahnenweihe, Hass und
Kommunikationslösungen und Ryan Air, phänomenologische Wolllust,
Raubkopierer 1986, die Geophilosophie der Immanenz, Unsittlichkeiten, die
aerodynamische Analyse des Schmetterlingsflugs, Manuals for Modern Living,
die Geschichte der wilden Kinder, Lektion 11 (Szene 1 bis 5), Monarchie und
Alltag und Fehlfarben, Zungenbrüche, ein Golf und ein Deinocheirus,
Zeitphänomene privat, widerrechtliche Vorgänge, Charles Mansons
Gerichtsstenogramm vom 19. November 1970, Greg Fiering, sein Gamemaster und
beider Pubertät, Marianne (eine Symbolfigur), die geteilte Luft der
sozialen Lichtung, Wirklichkeit und Simulation und Hyperrealität,
Bürgerbildung, Last Exit Disneyland, eine Lenin-Mär aus dem Ural,
Ana-Grammatologie, das Ende von Endor, absoluter Apostrophenmissbrauch, die
Bildergeschichte von Fritze Klump (featuring Wachmeister Kasulke), the
Medium is the Monotheismus, Bundesverband Schleppen&Schleusen, zu den
sozio-politischen Themen bei den Schlümpfen, Scotty beim Wachsen zuschauen,
Martinas neue Niere, die Wikinger in Amerika, Jean Francois Sudres
Solresol, Anderland-Siff, idiosynkratische Notizen zur Graphic Novel,
Florian Berndl und das gleichnamige Bad, Rudi Ross vs. Klarabella Rec. (und
die Erfindung des ABS), feministische Betrachtungen aus dem
musikjournalistischen Alltag, Zahlensysteme, neunzehn Heilige aus der
Legenda Aurea (von Helena bis Johannes, dem Abt), Wissen ist Mast,
psychomedizinische Betrachtungen zu teuflischen Telefonschnurfesseleien,
drei Geschichten von Herrn Keuner, Säugetiergelaber, Fundstücke aus Alltag
und Süddeutschem Rundfunk, Calvin, Hobbes und Fight Club, Bamberger
Kreisräte, Gespräch mit dem Vorsitzenden der amerkanischen
Schöpfungsgesellschaft, Entlastungsmaterial, Ian Svenonius über
Rock’n’Roll-Faschismus und Ästhetik, Nurgel und Krafwerk, Erik Davis über
Lovecrafts magischen Realismus, Frau Jukls Störenfriede, im Kapitalismus
hört dich niemand schreien, die Wunderwelt des Multiversums (Folge
277727779189973654765348570157^277727779189973654765348570157), Graffiti
als Widerstandstechnologie (und die kulturpessimistische Rede vom Verlust
des öffentlichen Raums), Chaplin allein gegen Hitler und Hollywood, die
Sprache der Verführung, die ethischen Probleme des Terraforming, Ron Bop,
die bekanntesten Märchen, die Legende der Breite von Pferden und dem Space
Shuttle, die räumlichen Dimensionen von Peter Fritz’ Sondermodellen,
Neoliberalismus und Käfer, Quasi (der kleine Quasar), es regnet Titan in
Sibirien und Kasachstan (die Suche nach dem russischen Raketen-Fallout),
sexuelle Gewalt und die, die es nicht tun (Plädoyer für eine neue Brille),
a Memery of Marks, der Iwan laut Meinecke, die Grenzen der Erkenntniskraft,
Volksmusik und nicht empfundene Brüche, schlechte Physik in Filmen, die
Philosophie und die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, Maler und
Satellitenschüsseln (1996), Samstag und Sonntag Trashfilme gucken, Thomas
Jeffersons Analog-Kopierer, Frauen (macht Budgets!), der Kunstlump, der
berühmteste Dinosauriergräber der Welt über seinen Jurassic Park (und warum
das Linnäische System nur bedingt taugt), Geburt einer Ikone, Murmel Comics
fahren nach Florida, der aktuelle Stand der Fusionsforschung, Kino (die
ultimative Kunstform der Rechten?), the Princess and the Pee, Stefan Weber
über Medienepistemologie- und epidemologie und Leonard Cohen, kurze
Überlegungen zu Orson Welles’ „The Trial“, das SR-Archiv, Outlook Express
und die UdSSR, der Allzweckkünstler G. P. Thomann, Annibale Picicci über
die Kultur als semiotischen Exzess, Matthias Schamp über Kompost und
intrafamiliäre Problemketten, die Funktionsweisen einer Party, alles
vergendert sich wenn du dich vergenderst. Und da die Philosophen die Welt
nur verschieden verändert haben, kommt es darauf an, sie zu rezensieren.
Deshalb Besprechungen von Ökosystemen, Organisationen, Betrieben und
Mailordergeschäften, Chemikalien, Büchern und Dickdruck, Magazinen,
Fanzines, sozialer Praxis, Comics, Spielen und Spielzeug, Gebrauchsgütern,
Technologien, Naturgesetzen, Rezensionsfloskeln, Software, Websites, Filme
und Videos, Vorschlägen zur Verbesserung der Menschheit, Plattensammlungen,
Uhrzeiten, Lebewesen, Menschen und Teile derselben, Wörter und
Wortkonglomerate, LieblingsbürgerInnenrechtsabbau, Gastronomien,
Nahrungsmitteln, platonischen Dingen, Physikalien, TV und Radio,
Distinktionsgewinnen, Würfeln, Träumen, jämmerlichen Toden/Morden,
Börsencrashs, Genoziden, Eingangsphantasien für Masturbationen,
Jahrhunderten, Verschenkgedichten aus der Szene und Klassikern der Moderne.
So, das reicht mal.

// ISBN 3-9500731-4-0

// www.monochrom.at

*Peripatetische Phrasen-Perpetuierung*

::: ANKUENDIGUNG DES STARTS DER >>> "Ideengaenge"

[Bitte ausgiebig weiterleiten]

Nach ueber einem Jahr der Vorbereitung gibt epram.org
nun die Antwort auf das Problem der halbautomatischen
Spaziergangsbeschreibung. Dazu uebernimmt epram den
Lauf-Algorithmus der generativen Psychogeografie
und erweitert ihn um eine Textbaustein-Kartei zur
generativen Staedte-Beschreibung, die auf ein
"Ideenmagazin" zurueckgeht, das Heinrich von Kleist
vor etwa 200 Jahren zu genau diesem Zweck angelegt hat.

Die dabei entstehenden Texte werden mit der Hand auf
Postkarten geschrieben und auf E-Mail-Bestellung gratis
per gelber Post verschickt.

Die Textbaustein-Kartei wurde von Thomas Goldstrasz
und Nick Grindell aus Kleists "Ideenmagazin"
rekonstruiert und speziell fuer dieses Projekt
adaptiert.

Ausfuehrliche Informationen zum Projekt "Ideengaenge",
mit einem Hinweis darauf, wie Sie dort eine originale
und unikale Postkarte bestellen koennen, finden Sie
unter:

http://www.epram.org/ideengaenge/


>>> "Ach, Ihr Lieben, das sind Spaziergaenge wie ein
Dichtertraum, und die ueppigste Phantasie kann
Berlin nicht schoener beschreiben als Kleists
Ideen, die sich uns bald oeffnen, bald
schliessen, bald oede sind, bald anlachen,
bald erschrecken. [>>> Idee 28]"

*peripatetic phrase perpetuation*

::: ANNOUNCING THE LAUNCH OF >>> "Ideengaenge"

[please forward freely]

after a lengthy period of gestation and preparation,
epram.org finally presents its answer to the dilemma
of walk documentation, adapting the algorithmic approach
of generative psychogeography to include a module for
generative documentation, based on a toolkit of literary
fragments borrowed from heinrich von kleist, who was
doing this kind of thing 200 years ago.

the resulting texts are recorded on postcards and sent
to distributed remote locations for evaluation and storage
by anyone who wishes to receive one.

the kleist toolkit was reconstituted and adapted for use
in this project by thomas goldstrasz and nick grindell.

full, in-depth information on the "Ideengaenge" project,
including details of how to order your postcard,
is available at the epram website:

http://epram.org/ideengaenge/eindex.htm


>>> "Ah, darlings, these walks are like a poet's dream,
and the lushest imagination couldn't describe Berlin
more beautifully than Kleist's ideas, that open up
to us and then snap shut, that strike us as barren
and then smile our way or startle us. [>>> Idea 28]"

 


Betreff: MaskenBall°

“Work den Turm - Walk im Turm: Spatz-Ihrgänge³

Die aus einer Bürgerinitiative hervorgegangene Wählervereinigung
SOSwasserturm.de (Liste 15) lädt Sie, Ihre Kinder und Freunde herzlich ein zu einer Solidaritäts-Veranstaltung mit Performance - und Musik-Aktionen. Unter dem Motto “Work den Turm - Walk im Turm³ des “Differenzierungswerkes zur Förderung des Hamburger Frohsinns³ sind natürlich (Klapp-) Masken erwünscht und am Eingang des magischen Theaters erhältlich (freier Eintritt für Ver-Rückte und Ver-Zückte):
Die Veranstaltung findet am

Sonntag, den 22. Februar 2004 im Wasserturm (Schanzenpark)
ab 16.00 Uhr statt.

Es agieren, musizieren und performen zur ästhetisch-psychotischen und philosophisch-politischen Auslotung des FreiRaums der Ideen:

Gunnar F. Gerlach/Hannes Wienert: The Mingus-Alphorn-Mouthharp-Duo
Stefan Gwildis : Voice of Hamburg
Anke Herrmann: Desperados
Jochen Hiltmann: Die kleine kulturelle Arbeit ist eine Frage des Rechtes
Corinna Korth: Wolf und andere Jäger aus verlorener Ehre
MAO/am (ferdinandt fux, Gunnar Gerlach, Thomas Rieck): best of best of
FxSchröder: beat - generation xyz
Gaby Schaffner: Menschen dieser Stadt
Hans Schüttler: the piano takes us all...
Hsch/GeGe & DaDa/drom: Heiner Müller lebt
David Stange: Kneten für den Turm
Jörg Stange: Unser aller Wasserleben - die “Wasser(turm)Aktie³
Das Stehgreiftheater: poli(s)dramaturmgie

Wir freuen uns über geneigtes Interesse und Anwesenheit, sowie die Berichterstattung in Ihrem Medium.

Mit herzlichen Grüßen

Gesellschaft für operative Kunst i.A. SOSwasserturm.de

Idee/Konzept/Realisation: gfok (JSt/GFG) i.A. SOSwasserturm.de

Zur weiteren Information haben wir für Sie drei Dokumente im Anhang (I - III) beigefügt:
- Programm Wählervereinigung “SOSwasserturm.de³
- Jörg Stange : Jeder Hintergrund ist politisch
- Gunnar F. Gerlach: Die “Wasser(turm)aktie³ mit Erich Mühsam gedacht


Auszug aus einem Vortrag von Gunnar F. Gerlach Ort: Gustav Heinemann - Bildungsstätte; Vortrag gehalten im Rahmen einer Tagung der "Erich Mühsam Gesellschaft" (Lübeck) 1996


Gunnar F. Gerlach


Modelle operativer Kunst zwischen Avantgarde und Anarchismus Überlegungen zum Verhältnis von Kunst und Politik.


"Wie lange wollen Sie noch beim ersten Schritt bleiben?" (Joseph Beuys)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, gemäß dem von mir gewählten Titel dieses Vortrages möchte im Folgenden ein Modell der Operativen Kunst in Theorie und Praxis für die gegenwärtige Lage in den bildenden Künsten und der Gesellschaft entwickeln. Neben einer Erläuterung der Begriffe und des Zusammenhanges von Avantgarde und Anarchismus werde ich versuchen meine Thesen zu begründen, was heute eine politische, soziale und revolutionäre Leistung der bildenden Kunst ist und sein könnte. Die Schlußfolgerungen vollziehen sich dann auf der Folie einer problematischen, gegenwärtigen Situation zwischen der Medien - Technologischen Gesellschaft und den Versuchen der Rest-Avantgarden in der bildenden Kunst mit ihnen subversiv umzugehen und zu argumentieren. Die Praxis schließlich unmittelbarer, eingreifender Kommunikations-Akte scheint mir auch zwei Jahre nach Hoyerswerda, Hünxe, Rostock, Lübeck, Magdeburg und Solingen eine adäquate Antwort zu sein, als jede hermetische Gralsuche nach einer wirklich endgültigen und erlösenden Faschismustheorie. In diesem Sinne ist auch eine "House-Aktie" zu verstehen und unterstützenswert: eine aktive Regulation verfehlter Sozial - Politik mit den Mitteln der künstlerischen Arbeit zu leisten.


Wenn über das Verhältnis von Kunst und Politik reflektiert wird, ist meist ein Problem schon übersehen worden: die künstlerische Tätigkeit ist seit der Renaissance auf individuelle Praxis ausgerichtet, die politische Arbeit orientiert sich an dem gesellschaftlichen Gefüge. Selbstdarstellungen und Narzißmen sind unleugbare Tatsachen auf beiden Seiten, haben aber mehr mit Psychologismen und den jeweiligen, medialen Verwertungs-Systemen und ökonomischen Interessen, Marktorientierungen zu tun. Ginge man davon aus, den Freiheitsbegriff ins Zentrum der Diskussionen zu stellen, ergäbe sich hier eine ganz andere, überraschende Verbindung: das historische Ringen um Freiheit markiert das Engagement von sehr vielen gesellschaftlichen Gruppen, aber ganz besonders jenes von Künstlern und politisch denkenden Menschen oder Politikern. So wird auch verständlich, warum in relevanten, künstlerischen und politischen Theorien, Äußerungen und Handlungen der Begriff Freiheit stehts zentral thematisiert wurde. Heinrich Böll formulierte das Problem bereits vor Jahren wie folgt: "Das ist es, was die Gesellschaft mit der Kunst macht: mit dem Markt erdrücken, Freiheiten in Freiheiten zerteilen." Dahinter verbirgt sich auch latent die Kritik an einer historischen Konstruktion, die am Anfang mit dem schillernden Wort Freiheit lockt, um sie am Ende dem gesellschaftlichen Rahmen, dem Markt, als oberster Rationalität einzuverleiben.Bakunin erkannte dieses Dilemma: "Im System der Materialisten, das allein das Natürliche ist, schafft erst die Gesellschaft, weit entfernt davon, die Freiheit zu verringern und zu beschränken, die Freiheit der menschlichen Individuen.


Sie ist die Wurzel, der Baum der Freiheit und ihre Frucht. Deshalb hat der Mensch zu jeder Zeit seine Freiheit nicht am Anfang, sondern am Ende der Geschichte zu suchen, und man kann sagen, das die tatsächliche und vollständige Befreiung des Menschen das große Ziel, das erhabene Ende der Geschichte ist." Diese Gegen-Konstruktion zur bürgerliche Logik hat zwei sehr elementare Metaphern bei sich: Wurzel, Baum und Frucht der Freiheit sind auf Natur hingedacht, und die lernende Praxis am Anfang ist Bedingung der Möglichkeit zur Freiheit am Ende zu gelangen. Nach Ernst Bloch ist Freiheit die Möglichkeit zur Auswahl, also zur distinkten und differenzierten Wahrnehmung, als Basis des individuellen Vernunft-, Geschmacks- und Werturteils. Die Wahrnehmung wird so über den Körper gedacht und vollzieht sich über die innere Formung und Vorstellungskraft:

http://metasynapse.net/nuke/modules.php?name=Encyclopedia&op=list_content&eid=18